Es war, als wären sie plötzlich da: meine Locken.
Als kleines Mädchen hatte ich langes, glattes Haar, das ich jeden Tag sorgfältig kämmte, doch jetzt hatte ich nach dem Bürsten plötzlich eine wilde Lockenpracht. Durch die Hormonumstellung veränderten sich auch meine Haare.
Meine Schwester Katja hatte schon immer Locken; bei ihr konnte man unsere surinamischen Wurzeln deutlich erkennen. Bei mir hingegen kam unsere chinesische Urgroßmutter stärker zum Vorschein. Ich hatte also noch nie in meinem Leben Locken gehabt – und plötzlich hatte ich sie. Ich wusste wirklich nicht, was ich mit diesen „neuen Haaren“ anfangen sollte. Eigentlich wollte ich gar keine Locken. Ich dachte, es wäre nur lästig. Also ignorierte ich sie einfach und trug meine Haare meistens im Dutt.
Bis meine Friseurin sagte: „Birgit, du hast Locken, ob du willst oder nicht, also solltest du anfangen, Produkte speziell für Locken zu verwenden.“ Und schon war ich auf dem rutschigen Pfad der Lockenprodukte.
Ein Produkt beschwerte meine Haare ungemein, denn ich habe zwar viele Haare, aber sie sind nicht besonders dick. Andere Produkte machten meine Locken steif. Manche rochen mir überhaupt nicht. Und wieder andere fühlten sich total fettig an.
Ich habe so viele verschiedene „Routinen“ ausprobiert, dass ich fast wahnsinnig wurde. Und währenddessen stand ich am Set von „Flikken Maastricht“, im Theater, vor der Kamera – und meine Haare waren jeden Waschtag eine Überraschung.
Du kennst das ja. Die Schublade voller halbvoller Flaschen. Die langsame, teure Erkenntnis, dass jedes neue Produkt genau die gleichen Versprechungen macht. Und dass fast keines davon hält, was es verspricht.
Ich hatte einfach aufgehört zu suchen. Haare hoch. Tag durch. Nicht mehr drüber nachdenken.








